Einst als kleine Ansiedlung im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt, erwuchs daraus eine Gemeinde mit über 14.000 Einwohnern (Stand 12/2018). Über mehrere Jahrhunderte siedelten sich immer mehr Menschen in und um Wesendorf an. Eigene Dörfer und Gemeinden, nicht weit voneinander entfernt. Und so besann man sich 1974 im Zuge einer Verwaltungs- und Gebietsreform, sechs Gemeinden zu vereinen zur Samtgemeinde Wesendorf. Was macht das Leben hier so lebenswert?

Geografische Eckdaten

1974 schlossen sich im niedersächsischen Landkreis Gifhorn sechs Gemeinden zusammen. Der Zusammenschluss umfasste die Mitgliedsgemeinden Groß Oesingen, Schönewörde, Ummern, Wagenhoff, Wahrenholz und Wesendorf. Als Verwaltungssitz wählte man die größte aller Gemeinden mit ca. 5.000 Einwohnern – Wesendorf.

Die Verwaltungsleitung obliegt dem Samtgemeindebürgermeister René Weber. Schon seit 2014 führt er die Samtgemeinde als CDU-Mitglied an, wobei die CDU auch die meisten Sitze im Samtgemeinderat einnimmt.

Die demografischen Daten der Samtgemeinde belegen eine deutliche Zunahme der Bevölkerung. In den vergangenen vierzig Jahren kam es fast zu einer Verdopplung der in der Samtgemeinde Wesendorf lebenden Menschen auf aktuell weit über 14.000 Einwohner. Rund ein Viertel der Bevölkerung ist unter 18 Jahren, und etwa zehn Prozent sind zwischen 18 und 25 Jahren. Damit leben sehr viele junge Menschen in den sechs Gemeinden. Die weitverbreitete Landflucht scheint an Wesendorf vorbeigegangen zu sein.

Deutlich mehr als die Hälfte der Bevölkerung befindet sich mit 25 – 65 Jahren im arbeitenden Lebensalter. Die Arbeitslosenquote liegt bei ca. 13 Prozent. Ein Abwandern der Arbeitskräfte ergibt sich aus Pendeln. Ungefähr 4.500 Menschen pendeln regelmäßig zu einer Arbeit aus der Samtgemeinde heraus und nur etwas mehr als 1.000 Menschen hinein.

1975 entschied sich der Samtgemeinderat, ein eigenes Wappen für die Gemeinde kreieren zu lassen. Ein Löwe als Wappentier ist dem Kreiswappen entnommen. Er zeigt die Zugehörigkeit der Samtgemeinde zum Landkreis Gifhorn an. Neben vielen weiteren Symbolen, deren Eigenschaften sich historisch begründen, sind sechs rote Herzen um den Löwen herum platziert. Sie symbolisieren die sechs Mitgliedsgemeinden. Die rote Farbe im unteren Teil als Symbol für die blühende Heidelandschaft und die Auswahl roter Herzen zeigen eine tiefe Verbundenheit zur Heimat und ein Wohlgefühl für jeden, der hier lebt.

Geschichtliche Entwicklung der Samtgemeinde Wesendorf

Eine Erstbesiedlung im Jahr 1548 in Westerholz, einem heutigen Ortsteil von Wesendorf, lässt durch eine Quelle den ungefähren Zeitpunkt der Entstehung belegen. Als Kleindorf lebten in Wesendorf 130 Menschen. Die Bevölkerung nahm fortlaufend im 19. Jahrhundert kontinuierlich zu. Ein regelrechter Wachstumsschub stellte sich durch den Bau eines Fliegerhorstes ein.

Der Bau der Hammerstein-Kaserne und des dazugehörigen Flugplatzes benötigte sehr viele zugereiste Arbeitskräfte. Sie blieben, da noch weitere Baumaßnahmen beschlossen wurde. Größtes Nebenprojekt war der Bau einer Blindflugschule. Aufträge, neue Techniken des Instrumentenflugs zu entwickeln und zu lehren, ließen immer Menschen in die Gemeinden Wesendorf und Umgebung ziehen. Offiziere, Soldaten und Zivilbeschäftigte des Fliegerhorstes kamen nach Wesendorf. Die Gemeinde galt als Anziehungspunkt für Arbeitskräfte aller Art. Aus noch 310 Einwohnern im Jahr 1933 waren es 1939 bereits 1.496 geworden.

Nach dem Krieg zogen zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene zusätzlich in die Gemeinden. Nach dem Fall der Mauer sorgten vor allem Spätaussiedler aus der damaligen Sowjetunion für ein weiteres Anwachsen der Bevölkerung wie auch die Übersiedlung von vielen Menschen aus der ehemaligen DDR. Diese Menschen galt es zu halten und so wiesen die Gemeinden stets neue Baugebiete aus. Mit der Verwaltungsreform 1974 wurden die fünf direkt angrenzenden Gemeinden in die Gemeinde Wesendorf eingegliedert. Wesendorf als größte Gemeinde wurde Sitz der Samtgemeindeverwaltung. Die Gemeinde wuchs und wuchs.

Alle sechs Mitgliedsgemeinden haben jede für sich eine jahrhundertelange Geschichte aufzuweisen. Und doch ähneln sie sich in ihrer Lebensweise und Lebensart der anwohnenden Menschen, so dass ein Zusammenschluss zur Samtgemeinde im Jahr 1974 wohlwollend begrüßt wurde.

Bis 2006 fungierte die Bundeswehr als größter Arbeitgeber. Die dadurch geschaffenen Arbeitsplätze in Form von Soldaten und Zivilbediensteten spielten für das Wirtschaftsleben in der Samtgemeinde eine große Rolle. Nicht verwunderlich ist daher die enorme Protestwelle, die sich gegen die Auflösung des Standortes der Bundeswehr richtete.

Die Schließung des Standortes ließ sich nicht verhindern. Jedoch gelang es der Samtgemeinde, die Flächen des Fliegerhorstes zu einem Industrie- und Gewerbepark umzuwandeln. So entstanden viele nützliche und die Gemeinschaft fördernde Bereiche wie ein Verkehrsübungsplatz, Bereiche für das Bogenschießen und Drohnenfliegen sowie eine Paintball-Anlage. Allein diese Neuplanungen führen zu vielen Tagesgästen aus der umliegenden Bevölkerung.

Moderne und Tradition in den Mitgliedsgemeinden

Als heimisches Gewerbe kann die Gemeinde auf vier größere und einige mittlere Unternehmen stolz sein. In der Landwirtschaft gibt es vier Vollerwerbsbetriebe. Hier werden Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben angebaut. Die Viehwirtschaft befindet sich leider im Rückgang. Wie in anderen Regionen auch wird seit 2007 in Wesendorf von mehreren Landwirten aus der näheren Umgebung eine Biogasanlage betrieben. Die Abwärme dient den gesamten öffentlichen Gebäuden und auch einigen Privathaushalten als Heizung. Der zum Betreiben nötige Silomais wird vor Ort angebaut.

Bis in die sechziger Jahre hinein stärkte zusätzlich die Förderung von Erdölvorkommen den Wirtschaftshaushalt. Inzwischen wurde die Förderung eingestellt. Die Gewinne fielen zunehmend geringer aus.

Um Geschichtliches und Geschichten in und um Wesendorf nachlesen zu können, wurde 2017 eine Ortschronik herausgebracht. Wesendorf vom Ursprung bis heute ist als Niederschrift ein gelungener Beleg für den Aufschwung der Region und das lebenswerte Leben der Menschen in dieser Samtgemeinde.

Neben aller Gemeinschaft und dem Zusammenschluss der Mitgliedsgemeinden ist die Samtgemeinde Wesendorf jedoch stets auch von der Absicht getragen, eine weitgehende Individualität der Mitgliedsgemeinden zu stärken. So herrscht ein harmonisches Vereinsleben innerhalb der Samtgemeinde, aber gepaart mit einem Willen zur bürgerschaftlichen Selbstverwaltung. Gemeinsamkeiten in der Samtgemeinde werden erhalten und weiter vertieft. Samtgemeindeinterne Veranstaltungen lassen persönliche Kontakte für ihre nötigen und zu treffenden Entscheidungen schließen. Jeder Mitgliedsgemeinde wird dazu der nötige finanzielle Freiraum durch die Samtgemeindeverwaltung belassen.

Alle Mitgliedsgemeinden haben jede für sich, aber auch im Hinblick auf die Gemeinschaft in der Samtgemeinde ihre Infrastruktur ausgebaut und verbessert. Die Vielzahl der kommunalen Einrichtungen in den Gemeinden, zeigt, dass sie den ländlichen Raum als lebens- und liebenswert erhalten wollen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Samtgemeinde gründete vor vielen Jahrzehnten einen Kulturverein. Dieser präsentiert und organisiert ganzjährig viele Veranstaltungen. So werden unter anderem zahlreiche Theater-, Musik- und Musicalaufführungen im Kulturzentrum aufgeführt.

Wer die Samtgemeinde besucht, wird auf einige Sehenswürdigkeiten treffen. Hervorzuheben ist der Naturschutz- und Heidepark Heiliger Hain mit seinem Hermann-Löns-Gedenkstein, zu finden in der Mitgliedsgemeinde Wahrenholz. Besichtigen lassen sich historische Schafsstelle und ein historischer Gutshof mit Backhus in Groß Oesingen. Wahrenholz bietet eine 900 Jahre alte Eiche und viele mystische Orte sowie eine Wassermühle an der Ise. Aus den 60er Jahren stammen die historischen Ölförderpumpen in Westerholz.

Ein historischer Herzogsbrunnen lässt sich im ehemaligen Forst Ringelah, heute Ummern, besichtigen.

In jeder Mitgliedsgemeinde prägen Fachwerkhäuser und Bauernhöfe das jeweilige Ortsbild. Regelmäßige Veranstaltungen wie das Aufstellen des Maibaums, Boßeltourniere, Osterfeuer oder Schützenvereinstätigkeiten, Weihnachtsmärkte und Oktoberfeste sind feste Bestandteile jeder einzelnen Gemeinde, die jährlich in Hauptveranstaltungen im Samtgemeindeverwaltungsort Wesendorf münden.

Tourismus, Erholung, Sport und Bildung

Die Samtgemeinde verfügt über einen großen Anteil an Wald-, Moor- und Heideflächen. Auch Fließgewässer (Ise) und künstlich angelegte sowie natürliche Seen ergeben einen großen Freizeitwert. Das Tourismusgewerbe expandiert jährlich. Dazu werden der Heide- und Naturpark weiter ausgebaut, Rad- und Wanderwege gepflegt. Ein Waldlehrpfad wurde vor Jahren neu angelegt. Die Gemeinde kann auf zwei Sport- und Erholungsparks mit natürlichen Badeseen schauen. Familien können hier wunderbar ausspannen und sich vom stressigen Alltag erholen.

Neben 15 Sportplätzen, wovon sechs sogar mit einer Flutlichtanlage und Sporthalle ausgestattet sind, gibt es auch einen Segelflugplatz.

Die Samtgemeindeverwaltung blickt als Schulverwaltungsträger auf eine gute Bildungslandschaft. In insgesamt drei Grundschulen und einer Oberschule sowie drei Kreisvolkshochschulen können Kinder, Jugendliche und Erwachsene in moderner Ausstattung ihren Bildungszuwachs erwerben. Die Oberschule ist mittlerweile zu einer Ganztagsschule erwachsen. Mit einer in Eigenverantwortung geschaffenen Mensa können die Kinder hier ganztags betreut werden, während die Eltern in aller Ruhe ihren Arbeitsgeschäften nachgehen können.

Abschluss

Alle Mitgliedsgemeinden prägen jede für sich einen individuellen Charakter. Als Zusammenschluss zur Samtgemeinde Wesendorf findet man hier einen ländlichen Raum, der als lebenswert gilt und liebenswerte Menschen beherbergt. Durch den jahrhundertelange Zustrom neuer Menschen aus anderen Regionen, ist man auch heute dem Neuen gegenüber sehr offen und herzlich.